Die gute Nachricht vorweg: Für deinen ersten Besuch in der Boulderhalle brauchst du keine Spezialausrüstung. Schuhe und Chalk kannst du dir in fast jeder Halle leihen, und eine bequeme Sporthose hat fast jeder im Schrank. Sobald du aber öfter gehst, merkst du schnell, welche Kleidung dich unterstützt und welche dich ausbremst. Die Hose spannt beim hohen Antreten im Schritt, das Shirt rutscht bei jedem Zug hoch, und der Pulli klebt nach dem Aufwärmen nass am Rücken. In diesem Guide gehen wir Stück für Stück durch, was sich beim Bouldern bewährt hat, in der Halle und draußen am Fels.
Das Wichtigste in Kürze
- Hose: elastisch, abriebfest und mit einem Bund, der auch bei hohen Tritten sitzt. Lang für den Großteil des Jahres, kurz für heiße Sommertage.
- Oberteil: ein Shirt oder Tanktop, in dem du die Arme frei über den Kopf strecken kannst, ohne dass es hochrutscht oder einengt.
- Warm-up Layer: ein Hoodie oder Pulli für das Aufwärmen und die Pausen zwischen den Versuchen.
- Schuhe: Kletterschuhe, am Anfang gerne geliehen. Für den Weg zur Wand Schlappen oder Sneaker.
- Kleinkram: Chalk, Haargummi, eine Bürste für die Griffe und Wasser. Schmuck bleibt in der Tasche.
Die Hose: Bewegungsfreiheit zuerst
Beim Bouldern verbringst du überraschend viel Zeit in Positionen, die im Alltag kaum vorkommen. Du stellst den Fuß auf Hüfthöhe, drehst das Knie nach innen in einen Drop Knee, hakst die Ferse über einen Griff oder drückst dich über eine Kante nach oben. Genau hier zeigt sich, ob eine Hose fürs Bouldern taugt.
Darauf solltest du achten
- Dehnbarer Stoff: Ein Anteil Elasthan sorgt dafür, dass die Hose mitgeht, statt im Schritt oder am Knie zu bremsen.
- Abriebfestigkeit: Knie und Schienbeine schleifen regelmäßig über Volumen, Kanten und rauen Fels. Dünne Leggings oder leichte Laufhosen bekommen dort oft schon nach wenigen Wochen Löcher.
- Ein Bund, der sitzt: Ein elastischer Bund mit Kordel hält die Hose auch dann, wenn du dich streckst oder im Überhang hängst. Gürtel und dicke Knöpfe drücken eher und können an der Wand stören.
- Beinabschluss: Das Hosenbein sollte deine Füße nicht verdecken. Du willst sehen, wo du hintrittst, und der Stoff darf sich nicht am Schuh oder am Tritt verfangen.
- Atmungsaktivität: In vollen Hallen wird es warm. Ein Stoff, der schnell trocknet, fühlt sich auch nach dem dritten Versuch an deinem Projekt noch angenehm an.
Was eher nicht so gut funktioniert
Klassische Jeans ohne Stretchanteil sind robust, aber steif. Bei hohen Tritten spannt der Stoff und bremst dich aus. Weite Jogginghosen aus dünner Baumwolle sind bequem, beulen aber schnell an den Knien aus und verdecken oft die Füße. Leggings sind elastisch, scheuern an Kanten jedoch schnell durch. Für den Einstieg reicht all das trotzdem. Wenn du merkst, dass dich das Bouldern gepackt hat, lohnt sich eine Hose, die genau für diese Bewegungen gemacht ist.
Warum eine lange Boulderhose für viele die beste Wahl ist, liest du in unserem Beitrag Lange Boulderhose: Warum sie sich in Halle und am Fels lohnt.
Lang oder kurz?
Für den Großteil des Jahres ist eine lange Hose die praktischere Wahl. Sie schützt Knie und Schienbeine, wenn du dich über eine Kante drückst oder beim Abspringen an der Wand entlang rutschst. Außerdem hält sie dich warm, wenn die Halle im Winter nur mäßig geheizt ist. Draußen am Fels kommen raue Oberflächen, Brennnesseln und Zecken dazu.
Shorts spielen ihre Stärken im Hochsommer aus, wenn es in der Halle stickig wird oder du an einem warmen Abend draußen unterwegs bist. Viele Boulderer haben deshalb beides im Schrank. Unsere langen Boulderhosen und Boulder-Shorts bestehen aus demselben elastischen Mix aus Nylon und Elasthan, sodass du je nach Wetter einfach wechseln kannst.
Das Oberteil: frei über dem Kopf
Beim Oberteil gilt eine einfache Regel: Strecke vor dem Spiegel beide Arme so weit nach oben, wie es geht. Rutscht das Shirt dabei weit über den Bauch, zwickt es unter den Achseln oder spannt es über den Schultern, wirst du dich an der Wand darüber ärgern.
- T-Shirts: Der Klassiker. Ein etwas weiterer Schnitt gibt den Schultern Platz, ein kleiner Elasthananteil sorgt dafür, dass das Shirt nach dem Zug wieder in Form fällt. Unser Oversized Boulder-Shirt Volumes besteht aus 93% Baumwolle und 7% Elasthan mit 210 g/m² und trägt einen Backprint, der von Boulderwänden inspiriert ist.
- Tanktops und Crop-Tops: Im Sommer und bei schweißtreibenden Sessions lassen ärmellose Schnitte die Schultern komplett frei. Schau dir dazu unser Herren Tanktop Only Way is Up und das Frauen Crop-Top Don't want your Beta an.
- Funktionsshirts: Synthetische Laufshirts trocknen schnell, rauen am Fels aber leichter auf. Für die Halle sind sie eine gute Wahl, draußen greifen viele lieber zu dickerer Baumwolle.
Lange offene Kordeln, große Reißverschlüsse oder Kapuzenbänder sind beim Klettern eher hinderlich. Sie können an Griffen hängen bleiben oder dich beim Abspringen stören.
Warm-up Layer: unterschätzt und wichtig
Bouldern besteht zu einem großen Teil aus Pausen. Du versuchst einen Boulder, setzt dich auf die Matte, schaust anderen zu und probierst es wieder. Wer in dieser Zeit auskühlt, startet mit kalten Muskeln und Fingern in den nächsten Versuch. Ein Hoodie oder Pulli für das Aufwärmen und die Pausen gehört deshalb in jede Tasche, ganz besonders in den kälteren Monaten.
Unser Warm-up Hoodie Slopers hat eine flauschige Innenseite und besteht aus 80% Baumwolle und 20% Polyester mit 310 g/m². Er ist genau für diesen Zweck entstanden. Draußen am Fels ergänzt du je nach Wetter eine Windjacke oder eine leichte Daunenjacke.
Schuhe und Socken
Kletterschuhe sind das einzige Teil, bei dem du nicht improvisieren kannst. Für den Anfang leihst du sie dir in der Halle. Wenn du eigene kaufst, lass dich im Fachhandel beraten und probiere mehrere Modelle an. Sie sollten eng sitzen, aber nicht schmerzen.
Die meisten Boulderer tragen Kletterschuhe ohne Socken, weil der Fuß so mehr Gefühl für den Tritt hat und nicht im Schuh rutscht. Bei Leihschuhen sind dünne Socken aus hygienischen Gründen aber eine gute Idee, manche Hallen wünschen sich das auch ausdrücklich. Für den Weg zwischen Matte, Wasserflasche und Toilette lohnen sich Schlappen, damit du keinen Staub mit den Kletterschuhen an die Wand trägst.
Kleinigkeiten, die den Unterschied machen
- Chalk: Magnesia hält deine Hände trocken und verbessert den Halt. Viele Hallen haben eigene Regeln, ob loses Chalk, Chalkballs oder flüssiges Chalk erlaubt ist. Unser feines Boulderkalk kommt in der 200g Packung und wird in Deutschland hergestellt.
- Schmuck ablegen: Ringe, Armbänder und Uhren können an Griffen hängen bleiben und zu Verletzungen führen. Am besten bleiben sie in der Tasche.
- Haare zusammenbinden: Lange Haare gehören in einen Zopf oder Dutt, damit sie dir nicht ins Gesicht fallen oder sich verfangen.
- Bürste: Mit einer Griffbürste entfernst du überschüssiges Chalk und Gummiabrieb von Griffen. Das hilft dir und allen, die nach dir einsteigen.
- Wasser und Snack: Eine Session dauert fast immer länger als geplant.
Bouldern draußen: Was zusätzlich in den Rucksack gehört
Am Fels gelten etwas andere Regeln als in der Halle. Das Wetter wechselt, der Weg zum Block führt oft durch Wald und Gestrüpp, und der Fels ist meist rauer als jeder Kunstgriff. Eine lange, abriebfeste Hose ist hier fast Pflicht. Pack außerdem eine warme Schicht für die Pausen ein, denn auch im Sommer kann es im Schatten unter den Bäumen kühl werden.
Dazu kommen Crashpad, Bürste, Tape und ein kleines Handtuch, um die Schuhsohlen vor dem Einsteigen sauber zu machen. Informiere dich vorab über das Gebiet. Viele Boulderspots haben Zugangs- und Naturschutzregeln, an die sich alle halten sollten, damit das Gebiet offen bleibt.
Drei Outfits für typische Sessions
Halle im Winter
Lange Boulderhose, Oversized Shirt, Warm-up Hoodie für die Pausen, Kletterschuhe und Schlappen.
Halle im Sommer
Boulder-Shorts oder eine leichte lange Hose, Tanktop oder Crop-Top und eine Flasche Wasser mehr als sonst.
Am Fels
Lange, abriebfeste Hose und T-Shirt am Körper, Hoodie und Windjacke im Rucksack, dazu Crashpad, Bürste und Tape.
Häufige Fragen
Kann ich zum Bouldern eine normale Sporthose anziehen?
Ja, für den Anfang reicht jede Hose, in der du dich frei bewegen kannst. Achte nur darauf, dass sie nicht über die Füße fällt und du die Beine weit anheben kannst.
Bouldert man mit oder ohne Socken?
Meistens ohne, weil du so mehr Gefühl im Schuh hast. Bei Leihschuhen sind dünne Socken hygienischer und in manchen Hallen ausdrücklich erwünscht.
Was ziehe ich beim ersten Mal Bouldern an?
Eine bequeme, dehnbare Hose, ein T-Shirt, in dem du die Arme frei heben kannst, und einen Pulli für die Pausen. Schuhe und Chalk bekommst du in der Halle.
Ist eine lange oder kurze Hose besser zum Bouldern?
Lang schützt Knie und Schienbeine und hält warm, kurz ist im Hochsommer angenehmer. Für die meisten Boulderer ist die lange Hose die Wahl für das ganze Jahr.
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